Ist Ihr Shop bereit für Agenten? · Artikel 5 · 2026
Was ein Agent auf Ihren Produktseiten findet: 34 Shops geprüft
Ob ein KI-Agent mit Ihrem Shop arbeiten kann, entscheidet sich auf der Produktseite. Dort stehen Preis, GTIN und Bestand. Wir wollten wissen, was ein Agent dort heute findet, und haben am 3. November 2026 die Produktseiten von 34 Shops abgerufen: Baumärkte, Optiker, Elektronikhändler, Hersteller und Händler von Industriesensorik. Bei 30 Shops ließ sich die Prüfung durchführen. Die Ergebnisse fallen in drei Gruppen, und die Branche macht einen großen Unterschied.
So haben wir geprüft
Ein Prüfprogramm hat sich als „DewlineCheck“ zu erkennen gegeben, mit Verweis auf unsere Website. Es hat sich weder als Crawler eines KI-Anbieters noch als Browser ausgegeben. Es hat die robots.txt gelesen, aus der Sitemap 100 Produktseiten per Zufall gezogen und jede Seite einmal abgerufen, mit anderthalb Sekunden Pause und ohne JavaScript. Hat ein Shop schon die robots.txt verweigert oder die ersten fünf Produktseiten mit einer Sicherheitsabfrage beantwortet, haben wir aufgehört. Auf jeder Seite haben wir drei Dinge gesucht:
- den Preis im sichtbaren Text,
- strukturierte Produktdaten nach schema.org (JSON-LD) mit Preis, GTIN, Verfügbarkeit, Marke, Versand und Rückgabe,
- ob der Preis aus den Daten genau so im Text steht.
So liest ein Agent, der eine Seite abruft, ohne sie im Browser darzustellen. Die Crawler von OpenAI und Anthropic führen nach einer Messung von Vercel und MERJ kein JavaScript aus. Was erst der Browser auf die Seite bringt, sehen sie nicht.
Eine Einschränkung vorweg: Viele Shops lassen die Crawler großer Anbieter anhand ihres Namens oder ihrer Adressen durch. Unser Prüfer zeigt, was ein Agent erlebt, der auf keiner dieser Listen steht. Das ist zum Beispiel der Einkaufsagent eines Kunden, ein Beschaffungsagent im B2B oder das Werkzeug eines neuen Anbieters.
Das Ergebnis
Gruppe 1: kein Zugang, 19 Shops. 19 von 30 Shops gaben unserem Prüfer keine Produktseite heraus:
- Elektronik und Versand: Coolblue, Cyberport, Euronics, Galaxus, MediaMarkt, notebooksbilliger, Otto, Saturn.
- Industriesensorik: Automation24, Balluff, Baumer, Conrad, Contrinex, Festo, Leuze, Pepperl+Fuchs, RS, SICK.
- Optik: Brille24.
Die meisten verweigerten schon die robots.txt, mit Statuscode 403 oder der Sicherheitsabfrage eines Content-Delivery-Netzwerks („Just a moment …“). Balluff, RS und Brille24 lieferten die robots.txt und beantworteten dann die ersten fünf Produktseiten mit einer Sicherheitsabfrage. Otto beantwortete jede Produktseite mit dem Fehler 400. SICK lieferte eine leere Hülle von vier Kilobyte. Contrinex liefert als einziger Sensorhersteller ein Profil nach dem Universal Commerce Protocol aus, also genau die Beschreibung, mit der Agenten seinen Katalog finden sollen. Unserem Prüfer gab Contrinex nach 23 Seiten keine weiteren heraus.
Gruppe 2: erreichbar, ohne JavaScript leer, 4 Shops. Hier bekommt der Agent eine Seite, aber keinen Artikel. toom liefert den Preis nur in einem Meta-Tag für soziale Netzwerke. Beschreibung, GTIN und Verfügbarkeit baut erst der Browser. expert liefert zwei Megabyte je Seite und keinen Preis im Text. Keyence liefert strukturierte Produktdaten, aber ohne Preis und ohne GTIN. Bei wenglor fanden wir weder einen Preis noch Produktdaten.
Gruppe 3: Lesepfad vorhanden, 7 Shops. Bei Hornbach stand der Preis auf 99 von 100 Seiten im Text. Alle 100 Seiten hatten strukturierte Produktdaten mit GTIN, 86 davon mit Verfügbarkeit. Auf 97 von 99 Seiten stand der Preis aus den Daten genau so im Text. Dazu kommen die Optiker Fielmann, Mister Spex, eyes + more und Apollo, der Baumarkt hagebau und der Sensorhersteller ifm. Auch in dieser Gruppe fehlt fast überall etwas:
- Versandkosten und Rückgabe in den strukturierten Daten hatten nur Mister Spex und hagebau.
- Eine GTIN fehlte bei Fielmann, eyes + more und ifm.
- Bei hagebau und ifm stand der Preis nur in den Daten und nicht im Text.
Am vollständigsten war Mister Spex: Preis im Text, GTIN auf 94 von 100 Seiten, Verfügbarkeit, Marke, Versand und Rückgabe auf allen.
Als wer geprüft wird
Unser Prüfer meldet sich als unbekanntes Programm. Ein Programm, das sich als Crawler eines großen KI-Anbieters ausgibt, kann bei manchen Shops weiter kommen. Prüft ein Shop dabei nur den Namen und nicht die Adresse, aus der die Anfrage kommt, kommt auch ein Programm durch, das sich nur als GPTBot ausgibt. Die Betreiber veröffentlichen ihre Adresslisten, damit Shops genau das prüfen können.
Für eine Aussage über den Agentenkauf braucht es deshalb zwei Angaben: als wer geprüft wurde, und welche Seiten. Eine Startseite sagt wenig über die Produktseiten, auf denen der Agent kauft. Hornbach zeigt das: Die robots.txt sperrt für alle Besucher Warenkorb, Kundenkonto und ähnliche Bereiche, aber keinen KI-Crawler, und die Produktseiten sind vollständig lesbar.
Was Händler daraus machen können
Die Reihenfolge ergibt sich aus den drei Gruppen.
- Durchlass. Wer in Gruppe 1 steht, braucht zuerst eine Regel, welche Agenten welche Seiten sehen. Verifizierte Bots lassen sich über die Adresslisten und Signaturen ihrer Betreiber erkennen und mit Kontingenten durchlassen. Eine pauschale Sperre trifft auch die Agenten Ihrer Kunden. (Artikel 6)
- Lesbare Seite. Preis, Verfügbarkeit und die Kerndaten gehören in das HTML, das der Server ausliefert. Wo heute erst JavaScript die Seite baut, hilft eine vorab gerenderte Fassung. Sie muss dieselben Fakten zeigen wie die Seite im Browser. Google wertet eine Fassung mit anderen Inhalten für Bots als Cloaking.
- Vollständige Daten. Strukturierte Produktdaten mit GTIN, Preis, Verfügbarkeit, Versand und Rückgabe. Versand und Rückgabe fehlten bei 5 von 7 Shops mit Lesepfad. Google verlangt im Merchant Center für Deutschland Versandangaben, der Checkout nach dem Universal Commerce Protocol eine Rückgaberegel.
- Gleiche Preise prüfen. Der Preis in den Daten, im Text, im Feed und im Checkout muss übereinstimmen, und das laufend. Bei Hornbach stimmte er auf 97 von 99 Seiten. Weicht er ab, kann ein Assistent einen anderen Preis nennen, als der Checkout verlangt.
Was diese Prüfung nicht zeigt
- Sie ist eine Stichprobe von 100 Seiten an einem Tag. In großen Sortimenten kann ein anderer Teil anders aussehen.
- Wir haben die Seiten nicht im Browser dargestellt. Agenten, die einen Browser bedienen, sehen mehr. Wie das aussieht, beschreibt Artikel 1.
- Ob die Crawler großer Anbieter durchkommen, zeigen erst die Server-Logs des Shops.
- Google Shopping und die Nennung in Antworten haben wir hier nicht geprüft.
Ihr Shop
Wir prüfen Ihre Produktseiten auf dieselbe Weise: 100 Seiten aus Ihrer Sitemap, verglichen mit zwei Marktbegleitern, ohne Zugang zu Ihren Systemen. Sie bekommen eine Seite mit den Zahlen je Prüfung und den drei Punkten, die Sie zuerst beheben können. Kostenlos, in fünf Werktagen. (Artikel 13)
Quellen
- Eigene Messung, 3. November 2026: 34 Shops, davon 30 prüfbar, je bis zu 100 Produktseiten aus der Sitemap, ohne JavaScript, Prüfprogramm mit eigener Kennung, eine Anfrage je Seite, 1,5 Sekunden Pause. Nicht prüfbar waren OBI und Lensbest (Sitemap nicht erreichbar), Edel-Optics (keine Produktseiten in der Sitemap) und Turck (zu viele Anfragen). Die Rohdaten je Shop stellen wir auf Anfrage zur Verfügung.
- Adresslisten der Crawler-Betreiber, etwa OpenAI (openai.com/searchbot.json) und Google (developers.google.com/crawling/ipranges), abgerufen 3. November 2026.
- Vercel und MERJ, „The rise of the AI crawler“, Dezember 2024: Die Crawler von OpenAI und Anthropic führen kein JavaScript aus.
- Google Search Central, Richtlinien zu Cloaking; schema.org, Product und Offer mit
shippingDetailsundhasMerchantReturnPolicy. - Anforderungen von Google Merchant Center, Microsoft Merchant Center, OpenAI und Universal Commerce Protocol an Produktdaten, ausgewertet in unserer Recherche vom 1. November 2026.
Was sieht ein Agent auf Ihren Produktseiten?
Wir rufen 100 Produktseiten aus Ihrer Sitemap so ab, wie ein Agent sie liest, und vergleichen sie mit zwei Marktbegleitern. Sie bekommen eine Seite mit den Zahlen und den drei Punkten, die Sie zuerst beheben können. Kostenlos, in fünf Werktagen. contact@dewline.de